Franklinbälle ausprobiert mit Sina Späth

Es gibt kaum jemand, der sie nicht hat: Probleme in der Körperhaltung. Oft durch Verschleiß, manchmal durch Unfälle oder Fehlstellungen und vielmals durch ungesunde Angewohnheiten, die sich über kurz oder lang eingeschlichen haben. Als Reiter übertragen wir diese Handicaps fast immer auf unser Pferd und natürlich geschieht das auch umgekehrt. Beim gymnastizieren ist der Freizeitreiter in erster Linie um die Gesunderhaltung seines Pferdes bemüht. Dafür will er das Auswachsen von Fehlhaltungen bei sich und seinem Reittier unterbrechen.

Geduld und Spucke führen oft genug zu diesem Ziel. Doch ab und dann kommt man einfach nicht weiter. Das Körpergefühl zu schulen ist eine gute Möglichkeit, manche Probleme zu ergründen und eine Idee zu bekommen, wie es besser sein könnte.

In dem Kurs mit Leiterin Sina Späth bekamen 10 TN anschaulich Einblick in die Anatomie der menschlichen Füße und Hüfte. Auf der weitläufigen Anlage von Organisatorin Nadine Hewer (Ausbildung für Reiter und Pferd) war ausreichend Platz, um genügend Abstand zu halten. So war auch ein ausgedehntes Workout ohne Pferd möglich, bei dem man zudem einige mitgebrachte „Sportgeräte“ von Sina ausprobieren konnte.

Zweimal an diesem Tag hatten 6 Reiterinnen mit ihren Pferden auf dem großzügigen Reitplatz der Anlage im Löstertal Gelegenheit, ihre Probleme vorzutragen und Franklinbälle, -schwämme und weitere Utensilien während des Reitens zu erproben. Meine Wenigkeit zum Beispiel kippt immer nach vorne. Zwar versuche ich ständig, mich aufzurichten, doch sobald ich eine Aufgabe bekommen, sagen wir, ich soll einen Seitengang reiten, ist meine Linie dahin. Mein armes Pferd tut sich sofort schwer unter mir und das frustriert schon manchmal. Ein Schultergurt erinnert mich anscheinend nachhaltig daran, die Schultern wie eine Königin zu tragen. Alle Zuschauenden, es waren auch Reitlehrerinnen dabei, versicherten mir, ich hätte nun meine Linie sehr gut gehalten. Auch beim Nachfühlen ohne Gurt, saß ich gerade.

Ein Fränklin-Schwamm unter meinem Hintern begeisterte mich total. Ich hatte ein richtig gutes Sitzgefühl und meine lädierten Füße waren entlastet. Ich drückte sie weitaus weniger in die Bügel, fühlte mich aber trotzdem absolut sicher in allen Gangarten. Ich wollte ihn eigentlich gar nicht mehr hergeben, aber Sina erklärte mir, dass diese Tools alle nur zeitweise eingesetzt werden, um das Körpergefühl zu schulen. Das Nachspüren ist ebenso wichtig und gehört auf jeden Fall dazu.

Jeweils ein Schwamm unter den Oberschenkeln indes fand mein Pferd klasse. Meine Beine lagen jetzt weiter hinten. Dadurch bekam meine Stute mehr Schwung und der Seitengang wurde sehr leicht. Aha, das merke ich mir!

Doch genug von mir. Eine andere Teilnehmerin hatte dauernd das Gefühl, rechts abzurutschen. Sie verspannte sich deswegen sehr. Bei den ersten Versuchen mit verschiedenen Bällen, konnte sie keine Verbesserung spüren. Dann legte ihr Sina einen Redontoball unter den Hintern. Das ist ein faltbarer Ball, den man je nach Bedarf aufblasen kann. Der halb gefüllte, eingestülpte Ball zeigte der Reiterin ihre Mitte. Seit langem konnte sie gelöst und locker reiten.

Für Probleme in der Zügelführung wurden elastische Bänder bei Pferd und/oder Mensch eingesetzt. Man kennt diese Bänder aus der Gymnastik. Sie können zum Beispiel den Radius der Hände oder der Arme der Reiterin begrenzen. Um ihre Angewohnheit die Finger zu öffnen, zu bezwingen, hielt eine Probandin Toga-Bälle mit den Zügeln zusammen in den Händen. Eine andere befestigte Keile auf ihren Bügeln. So kippten ihre Füße nicht dauernd nach außen.

Selbst ich als Otto-Normal-Reiterin, habe beobachtet, dass die Lektionen am Ende des Tages, auch beim Nachspüren, deutlich schöner und harmonischer aussahen. Von den strahlenden Gesichtern der Reiterinnen und dem Abschnauben der Pferde ganz zu Schweigen.

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